an action research experiment

Ivalu & You in Suva/ Fiji

Die deutschen Segler Corinna und Martin haben sich für die zweite Hälfte ihrer Weltumsegelung auf der „Ivalu“ ein spezielles Thema gesetzt: Müll. Mit ihrem Projekt „Ivalu & You“ machen sie seit August 2011 Workshops in allen Ländern ihrer Reiseroute, von Fidschi über Neuseeland, Indonesien, Afrika, Brasilien, bis zum Ende der Reise in
Deutschland.
Mit dem „You“ bezieht sich die Ivalu-Crew vor allem auf Kinder und Jugendliche. Mit ihnen zusammen wollen Corinna und Martin, 23 und 26 Jahre alt, auf spielerische und spaßorientierte Weise die Müllproblematik thematisieren. „Es geht weniger darum, zu belehren und zu kritisieren, sondern darum, Freude an Wiederverwertung und sauberen Stränden zu entwickeln“, erklären die Beiden.

„Während unseres ersten Segeljahres haben wir so viele paradiesische, oft unbewohnte Strände gesehen, die mit Plastik aller Art übersät waren“, berichtet Martin. „Wir waren so geschockt, wie viel Müll allein vom Meer er kommt, dass wir angefangen haben, uns mit dem Thema zu befassen“. In der Tat ist deutlich mehr Plastik als Plankton in den Weltmeeren. In großen Müllteppichen sammelt sich das Allerlei, bis es irgendwann von der Strömung wieder an die verschiedenen Strände der Welt getragen wird. 90% des Mülls kommt durch Flüsse und Kanäle des Festlandes ins Meer. Das bedeutet theoretisch, dass bei regelmäßiger Strandreinigung und einem funktionierenden Abfallsystem weltweit das Problem irgendwann wieder eingegrenzt wäre. „Wir können den Ländern natürlich kein fertiges, für sie passendes Müllentsorgungssystem präsentieren – aber wenn wir Kinder motivieren und inspirieren können, haben wir indirekt schon viel erreicht“, so Corinna.

In den Workshops von „Ivalu & You“ wird also spielerisch ausprobiert, was mit Müll möglich ist, sei es Spielzeuge, Ketten und Armbänder aus Müll basteln oder Strandburgen und Abenteuerspielplätze bauen.
Bei dem ersten Workshop in Suva sollten aus Plastikmüll und alten Ölfässern kreative Mülltonnen entstehen – aber erst musste natürlich hinterfragt werden, ob das überhaupt Sinn macht, wo man diese aufstellen kann, wer sie entleeren würde und so weiter. „Zuerst kommt man ahnungslos in einen neuen Land an – man weiß nicht, wie das Thema Müll in der Stadt und auf dem Land behandelt wird, ob man auf offene Ohren stoßen wird, oder wo man überhaupt anfangen soll mit der Projektvorbereitung. Wir haben also unsere ersten Tage hier damit verbracht, überall herumzufragen, bei Naturschutzorganisationen, beim Umweltministerium, aber auch in kleinen Betrieben und bei Privatpersonen. Zum Glück sind wir so schnell an Pete und Ali geraten“ berichtet Corinna. Die Initiatoren von „Sailing for Sustainbility“ (www.sailingforsustainability.org) arbeiten mit verschiedenen Dörfern in und um Suva. Sie kennen sich folglich hervorragend aus in Fragen zur fidschianischen Mentalität und wie man an ein Entwicklungshilfe-Projekt herangehen kann.
Von ihnen kam der wertvolle Tipp, die Girl Guides, die Mädchenpfadfinder in Suva zu kontaktieren: Mit denen zusammen konnten Corinna und Martin schließlich einen Ferienworkshop auf die Beine stellen. Werbung wurde mit Diavorträgen in den Grundschulen gemacht; eine Woche später erwarteten der große Garten sowie Aufenthaltshalle des Guide Guides Hauptquartiers, jede Menge Essen und Trinken, Farbtuben, Klebepistolen, Scheren und zehn freiwillige Betreuer die 30 Mädchen, die sich zu dem 4-tägigen Workshop gemeldet haben.
Nach der Begrüßungsrunde und ein paar Aufwärmspielen strömten die Pfadfinderinnen in Gruppen zur „Material-Sammlung“ aus, die Gruppe, mit dem meisten Müll erwartete eine Belohnung. Bis zum Ende des ersten Workshop-Tages türmen sich 150 volle Mülltüten vor dem Girl Guides Haus, aufgesammelt von den Straßenrändern der näheren Umgebung.

Die Inspektion folgte am nächsten Tag: Chipstüten, Plastikflaschen, Seile, Zigaretten-Päckchen, Getränkedosen, aber auch exotischere Funde wie Schuhe oder Plastikspielzeuge sollten das Bastelmaterial der kommenden Tage stellen.
„Wir wollten mit den Kindern alte Ölfässer zu Mülltonnen umdekorieren. Zuerst hatten wir Sorge, es würde an Ideen mangeln – umso mehr haben wir gestaunt, was für vielfältige, farbenfrohe Ergebnisse entstanden sind“, schwärmte Corinna. So gab es zum Beispiel eine Tonne mit dem Thema „Unterwasserwelt“, die schillernde Chipstüten-Fische und Styroporkorallen zierten, oder eine Tonne mit dem Thema „Umwelt“, auf der Blumenwiesen aus PET-Flaschen wuchsen. Alle, die zwischendurch eine Bastelpause einlegen wollten, konnten Martin mit dem neuem Kompost für das Girl Guides Haus helfen. Zusätzlich zu den handwerklichen Aktivitäten gab es jeden Tag eine kleine Theorieeinheit, über den Müllteppich im Nordpazifik, über Recycling und Kompost und über die Möglichkeiten in Fidschi und weltweit, wie jeder ein bisschen Müll reduzieren könne.
In der Tat besteht in Fidschi zumindest auf der Hauptinsel Viti Levu die Möglichkeit, seinen Müll komplett zu recyceln. Mehrere Firmen bieten die kostenlose Abholung des getrennten Mülls an – doch trotzdem erscheint dieses neuartige Art der Entsorgung den meisten Fidschianern als unpraktisch, viele wissen auch nichts davon.
Deshalb wurden die fertigen Mülltonnen in den Schulen der Kinder als Recyclingtonnen installiert, Corinna und Martin haben die regelmäßige Leerung organisiert und mit allen Lehrern Zuständigkeiten vereinbart.

Nachhaltigkeit ist, wie bei allen Projekten, auch hier die große Herausforderung. „Als wir vor unserer Abreise noch mal spontan die Schulen besucht haben, waren die Ergebnisse sehr unterschiedlich, von perfekter Mülltrennung bis hin zu den Tonnen, die umgekehrt als Dekoration im Blumenbeet standen“, berichtete Martin. Aber entscheidend ist, dass ein kleiner Schritt getan wurde und es durchaus positive Ergebnisse gibt – und 30 Kinder wie auch ihre Betreuer und die beiden Segler mit Sicherheit eine einzigartige Erfahrung zusammen hatten.

Das Projekt „Ivalu & You“ kann verfolgt werden auf www.ivaluandyou.de

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